Sportverein – ein Überlebenskampf

Okt 19, 13 • Aktuelles2 CommentsRead More »

Für Freizeitluxus wird immer mehr Geld ausgegeben, während der Verein Beitragserhöhungen penibel rechtfertigen muss

Es gibt ja inzwischen jede Menge Gründe, den Euro großzügig auszugeben. Zum Beispiel die Angst, es könnte uns ähnliches Ungemach drohen, wie gerade den Zyprioten. Und bevor der Staat unsere Konten plündert, tun wir es lieber selber. Die Scheine sitzen uns derzeit locker. Gerade den Kindern wollen wir nicht vorenthalten, womit ihre Freunde protzen. Das Galaxy S3 oder das Xperia Z soll es schon sein, mit 5-Zoll-Display und 1080 x 1920 Pixeln, die eine Woche Skifahren in Serre Chevalier tut nicht nur den Kids, sondern auch uns richtig gut. Beim Shopping dann das neue Trikot von Messi einpacken lassen, dazu die Fußballschuhe von Zidane, natürlich in Gold. Muss schon mal sein, so richtig die Sau rauszulassen.

Die Ernüchterung kommt ohnehin schneller als man denkt. Daheim stapeln sich die Rechnungen. Zu allem Überfluss hat nun auch der Sportverein den Jahresbeitrag um satte 20 Euro erhöht. Die kriegen den Hals einfach nicht voll, Fußball war doch ohnehin schon teuer genug, dort schwimmt man doch im Geld?

Nicht, wenn man vom Amateurfußball spricht. Er hat sich nur immer viel zu billig verkauft. Und damit seine Mitglieder verwöhnt. Und jetzt tut er sich schwer, Erhöhungen plausibel zu begründen. Dabei gibt es so viele, so gute Argumente. Was kostet eine Stunde Klavierunterricht, was eine Stunde Fußball bei qualifizierten Ausbildern? Wo bekommt man zu solch günstigen Konditionen Freizeitspaß und Geselligkeit? Wo ist sinnvolle Kinderbetreuung billiger als im Sportverein? Der aber kämpft ums Überleben, weil auch schon die kleineren Unternehmen lieber der 1736. Sponsor des FC Bayern als der erste des FC Hinteroberdorf sein wollen.

Sicher, die Probleme der kleinen Sportvereine sind manchmal hausgemacht, weil sich hier Profilneurotiker tummeln. Da wird dem Trainer in der Kreisklasse ein üppiges Honorar bezahlt, mäßig begabte Kicker werden mit mehreren hundert Euro geködert, dafür bezahlt, dass man ihnen die Ausübung ihres Hobbys organisiert. Alles wird dem Ziel untergeordnet, im nächsten Jahr in die Kreisliga aufzusteigen und das originäre Ziel des Vereins, gesellschaftlicher Lebensmittelpunkt und Ort sinnvoller Freizeitgestaltung für die Jugend zu sein, verdrängt.

Mit Sorge verfolgt man solche Auswüchse auch beim Verband, doch mehr als an die Vernunft zu appellieren, nicht mehr auszugeben als man einnimmt, kann er eben nicht. Die Ziele muss sich jeder Verein selbst setzen, ob der Aufstieg wichtiger ist als die gesunde finanzielle Basis, jeder für sich entscheiden. Die meisten werden nicht mehr anders können, als Variante zwei zumindest anzustreben, weil man am Abgrund steht.

Vor diesem Hintergrund ist auch die Politik gefordert, die in Sonntagsreden gerne vom Wert des Sports schwadroniert, von sündhaft teurem olympischem Glamour träumt, aber gerade in Großstädten die Basis auf maroden Anlagen verhungern lässt. Wer wenig zu bieten hat, tut sich schwer, Beitragserhöhungen durchzusetzen. Selbst wenn er es sozial verträglich tut und bei echten Problemfällen vielleicht sogar anbietet, durch Mitarbeit im Verein den Beitrag selbst zu reduzieren.

Wer aber Hunderte von Euro für einen Skiurlaub ausgeben, wer seinen Kids immer das begehrteste Trikot oder die heißesten Fußballschuhe, das neueste Hightech-Smartphone oder ein T-Shirt von Abercrombie & Fitch finanzieren kann, der sollte auch ein paar Euro mehr für den Sportverein aufbringen. Er ist es wert. Und das Geld dort im Normalfall besser aufgehoben als auf einem Bankkonto, das irgendwann vielleicht gar nicht mehr sicher ist vor dem staatlichen Zugriff. Zypern ist nicht so weit.

Quelle: Kolumne von Reinhard Hübner für das Oberbayerisches Volksblatt GmbH & Co. Medienhaus KG

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